EBITDA: Definition, Berechnung und Grenzen für Startups

EBITDA zeigt, wie viel Geld das Kerngeschäft eines Unternehmens erwirtschaftet. Es ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Investoren, weil es Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen, Steuerquoten und Abschreibungspolitiken vergleichbar macht.

Lesezeit 6 Minuten · Zuletzt aktualisiert: 1. September 2026

KURZDEFINITION

EBITDA steht für Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und misst die operative Ertragskraft eines Unternehmens, bevor Zinsen, Steuern und Abschreibungen berücksichtigt werden.

Was ist EBITDA?

Für Startups und Scale-ups ist EBITDA besonders relevant, wenn sie Fundraising betreiben oder ihre operative Performance bewerten wollen. Investoren nutzen EBITDA-Multiplikatoren zur Bewertung: Ein SaaS-Unternehmen mit 1 Mio. € EBITDA und einem Multiplikator von 10× hat einen Unternehmenswert von 10 Mio. €.

Aber Vorsicht: EBITDA ist nicht gleich Cashflow. Und bei kapitalintensiven Geschäftsmodellen oder stark wachsenden Startups kann EBITDA irreführend sein.

EBITDA-Formel

Die EBITDA-Berechnung folgt zwei äquivalenten Formeln:

FORMEL

EBITDA = Jahresüberschuss + Zinsen + Steuern + Abschreibungen

oder: EBITDA = Umsatz minus operative Kosten (ohne Abschreibungen)

BEISPIEL SAAS-COMPANY

Geschäftsjahr

Weg 1 · vom Umsatz

Umsatz (ARR)

1.000.000 €

Operative Kosten

− 850.000 €

Abschreibungen sind in den operativen Kosten nicht enthalten.

Weg 2 · vom Jahresüberschuss

Jahresüberschuss

60.000 €

Zinsen

+ 10.000 €

Steuern

+ 30.000 €

Abschreibungen

+ 50.000 €

BEIDE WEGE ERGEBEN

EBITDA

Marge 15 %

150.000 €

150.000 €

150.000 €

Das EBITDA beträgt 150.000 €. Die EBITDA-Marge liegt bei 15 % (150.000 € / 1.000.000 €).

Über die Jahresüberschuss-Formel kommen Sie zum selben Ergebnis: 60.000 € Jahresüberschuss plus 10.000 € Zinsen plus 30.000 € Steuern plus 50.000 € Abschreibungen ergeben ebenfalls 150.000 €.

EBITDA vs. EBIT vs. Cashflow

Drei Kennzahlen, die oft verwechselt werden:

KENNZAHL

BERÜCKSICHTIGT

TYPISCHE ANWENDUNG

EBITDA

EBITDA

Operative Ertragskraft vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

Operative Ertragskraft vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

Bewertung und Vergleich mit anderen Unternehmen

Bewertung und Vergleich mit anderen Unternehmen

EBIT

EBIT

Operative Ertragskraft vor Zinsen und Steuern

Operative Ertragskraft vor Zinsen und Steuern

Operative Performance im Zeitverlauf

Operative Performance im Zeitverlauf

Cashflow

Cashflow

Tatsächliche Zahlungsbewegungen

Tatsächliche Zahlungsbewegungen

Liquidität und Runway

Liquidität und Runway

EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) berücksichtigt Abschreibungen, EBITDA nicht. Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam, sie bilden nur den Wertverzehr von Anlagen ab. Deshalb ist EBITDA höher als EBIT.

Der Cashflow zeigt die tatsächlichen Zahlungsbewegungen. Ein Unternehmen kann ein positives EBITDA haben, aber einen negativen Cashflow, etwa wenn Kunden spät zahlen oder hohe Investitionen anstehen.

Für Startups ist der Cashflow und damit der Runway oft relevanter als EBITDA. Ein Early-Stage-Startup mit negativem EBITDA kann trotzdem gesund sein, wenn es wächst und ausreichend Runway hat.

EBITDA-Margen nach Branche

Die EBITDA-Marge variiert stark nach Branche und Geschäftsmodell:

BRANCHE

TYPISCHE EBITDA-MARGE

SaaS

10 bis 25 %

E-Commerce

5 bis 10 %

Hardware-Startups

3 bis 8 %

Dienstleistung

10 bis 20 %

SaaS-Companies haben die höchsten Margen, weil die variablen Kosten niedrig sind, etwa Hosting und Support. Wichtig: Die oft zitierten 70 bis 80 % für SaaS sind die Bruttomarge, nicht die EBITDA-Marge. Was davon als EBITDA übrig bleibt, hängt davon ab, wie viel in Personal, Marketing und Vertrieb fließt.

Hardware-Startups haben niedrige Margen, weil Materialkosten, Produktion und Logistik ins Gewicht fallen. E-Commerce liegt dazwischen, abhängig von Marge und Skaleneffekten.

Dienstleistungsunternehmen haben mittlere Margen, weil der Personalaufwand den größten Block bildet.

Benchmark für Startups: Wenn Ihre EBITDA-Marge deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegt, sollten Sie Ihre Kostenstruktur prüfen. Liegt sie deutlich darüber, haben Sie einen Wettbewerbsvorteil.

Warum EBITDA bei Startups irreführend sein kann

EBITDA ist eine nützliche Kennzahl, aber sie hat Grenzen. Besonders bei Startups sollten Sie drei Punkte beachten

Kapitalintensive Geschäftsmodelle

Hardware-Startups oder Unternehmen mit hohen Infrastruktur-Investitionen haben reale Abschreibungen. EBITDA addiert diese Abschreibungen zurück und überschätzt damit die Ertragskraft.

Beispiel: Ein Hardware-Startup investiert 500.000 € in Produktionsanlagen, die über 5 Jahre abgeschrieben werden, also 100.000 € pro Jahr. EBITDA ignoriert diese 100.000 €, aber sie sind ein realer Kostenblock.

Wachstumsinvestitionen

Startups investieren aggressiv in Wachstum, also in Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung. Das EBITDA ist negativ, aber das Business skaliert.

Beispiel: Ein SaaS-Startup gibt 500.000 € für Marketing aus, um 1.000 Neukunden zu gewinnen. Das EBITDA ist negativ, aber der LTV der Kunden übersteigt den CAC um das Dreifache.

In diesem Fall ist negatives EBITDA ein Zeichen für Wachstum, nicht für schlechte Performance.

Burn Rate vs. EBITDA

Bei Early-Stage-Startups ist der Cashflow und damit der Runway relevanter als EBITDA. Ein Startup mit 18 Monaten Runway und negativem EBITDA ist gesünder als ein Startup mit 3 Monaten Runway und positivem EBITDA.

Investoren wissen das. Sie fragen nicht nur nach EBITDA, sondern nach MRR-Wachstum, Churn Rate, CAC und LTV.

EBITDA in der Praxis: Was Investoren wissen wollen

Wenn Sie mit Investoren sprechen, reicht es nicht, das EBITDA zu präsentieren. Investoren prüfen die Qualität des EBITDA und den Kontext.

EBITDA-Multiplikatoren

Investoren nutzen EBITDA-Multiplikatoren zur Bewertung. Das funktioniert nur bei profitablen Unternehmen: Für etablierte, profitable Softwareunternehmen liegen die Multiplikatoren typischerweise bei 8 bis 12×. Startups bis Series B sind meist nicht EBITDA-positiv und werden stattdessen über ARR-Multiplikatoren bewertet.

Beispiel: Ein SaaS-Unternehmen mit 2 Mio. € EBITDA und einem Multiplikator von 10× hat einen Unternehmenswert von 20 Mio. €.

Aber: Multiplikatoren variieren nach Branche, Wachstumsrate und Profitabilität. Ein schnell wachsendes SaaS-Unternehmen mit 100 % YoY-Wachstum bekommt einen höheren Multiplikator als ein langsam wachsendes.

Due Diligence: EBITDA-Qualität

Investoren prüfen in der Due Diligence, ob das EBITDA sauber ist. Sie achten auf:

  • Einmaleffekte: Wurden einmalige Kosten, etwa für Restrukturierung, herausgerechnet?

  • Nicht-operative Posten: Wurden nicht-operative Erträge, etwa aus dem Verkauf von Assets, herausgerechnet?

  • Adjusted EBITDA: Investoren nutzen oft das Adjusted EBITDA, das Einmaleffekte und nicht-operative Posten bereinigt.

SaaS-Metriken: EBITDA allein reicht nicht

Bei SaaS-Unternehmen wollen Investoren mehr sehen als EBITDA:

  • MRR (Monthly Recurring Revenue): Wiederkehrende Umsätze

  • Churn Rate: Kundenabwanderung

  • CAC (Customer Acquisition Cost): Kosten pro Neukunde

  • LTV (Lifetime Value): Lebenszeitwert eines Kunden

  • NRR (Net Revenue Retention): Netto-Umsatzretention

EBITDA ist eine von mehreren Kennzahlen. Investoren wollen ein vollständiges Bild.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

Was bedeutet EBITDA einfach erklärt?

EBITDA misst die operative Ertragskraft eines Unternehmens, bevor Zinsen, Steuern und Abschreibungen berücksichtigt werden. Es zeigt, wie viel Geld das Kerngeschäft erwirtschaftet.

Wie wird das EBITDA berechnet?

EBITDA = Jahresüberschuss + Zinsen + Steuern + Abschreibungen. Alternativ: Umsatz minus operative Kosten (ohne Abschreibungen).

Was ist der Unterschied zwischen EBITDA und EBIT?

EBITDA berücksichtigt keine Abschreibungen, EBIT schon. EBITDA ist höher, weil Abschreibungen, die nicht zahlungswirksam sind, addiert werden.

Warum ist EBITDA für Investoren wichtig?

EBITDA ermöglicht den Vergleich von Unternehmen mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen, Steuerquoten und Abschreibungspolitiken. Investoren nutzen EBITDA-Multiplikatoren zur Bewertung.

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